14.11.2013 08:18

Reiseberatung: Wie verknüpft man Offline mit Online?


Kunden recherchieren ihre Reise oft im Web. Damit sie dennoch im Reisebüro buchen, suchen Schweizer Reiseprofis mit diversen Initiativen eine Lösung.

Die Reisebüros spüren Aufwind. Immer wieder ist die Rede vom "Ropo-Effekt", wobei Ropo die Abkürzung ist für "research online, purchase offline". Es gilt als erwiesen und wird auch von diversen Studien gestützt, dass über drei Viertel aller Recherchen zu einer Privatreise im Internet getätigt werden. Der Kauf allerdings geschieht zur Hälfte noch in stationären Büros - Tendenz offenbar zunehmend. Das ist zwar für die Reisebüros erfreulich und unterstreicht die Wichtigkeit einer profunden, persönlichen Reiseberatung. Es verdeutlicht aber auch, dass das Internet - ob am PC oder auf dem Smartphone - aus dem gesamten Reisebuchungsprozess nicht mehr wegzudenken ist. Wie also geschieht die Verknüpfung der beiden Welten am besten? Da gibt es diverse Initiativen. Heinz Hirter vom Reiseservice Imagine in Bern versucht zurzeit, gestandene Reiseprofis zur Teilnahme an seiner Plattform www.reiseberatung.ch zu überzeugen. Der Domain- Name ist einprägsam: Hirter will damit Web-Suchende für eine Reiseberatung "abholen ". Auf der Website werden Interessenten gemäss der Hierarchie "Reiseland", "Reisebürostandort" und "Reisebüro" an ein stationäres Schweizer Reisebüro weitergeleitet. Wichtig sei Transparenz bei den Gebühren, bei den Angeboten und der Deklaration der Kundengeldabsicherung. Für seine Vermittlerfunktion sowie vier Präsentations-Pages auf der Website will Hirter CHF 500 pro Jahr von den teilnehmenden Spezialisten. Das Problem ist der Bekanntheitsgrad der Website: Sie erscheint im Google bei der Eingabe "Reiseberatung" zwar zuoberst, es fehlt aber noch an Content. Hirter will den Bekanntheitsgrad mit Präsenz an Ferienmessen und mit Inseraten erhöhen.

IN EINE ÄHNLICHE Richtung zielt der Launch der neuen Website der Reisebüro-Vereinigung STAR. Darauf sollen STAR-Reisebüros die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Mikro-Touroperating einer grossen Kundschaft anzubieten. STARPräsident Luc Vuilleumier erklärt: "Wir wollen unsere Reisebüro-Mitglieder mit Kunden zusammenführen. Konkret sollen Reisebüros selbst geschnürte Mikro-TOAngebote bei uns attraktiv präsentieren können, und zwar kostenlos." Auch die Website www.star.ch dient also als Vermittlerportal. Laut Vuilleumier soll das neue Portal aber auch für unabhängige Reisebüros und TOs attraktiv sein. "Wer auf die Homepage kommt, soll zunächst gleich beantworten, wer er ist und was er will", so Vuilleumier.

DA DIES DIE KOMPLEXITÄT der Website erhöhe, sei man damit trotz bereits sechsmonatiger Testphase noch nicht live. Vuilleumier hofft aber, noch 2013 mit dem neuen Portal an den Start gehen zu können, und versichert: Viele Websites sind nur Portale zur Vermittlung. Wir werden dank viel Content ein hohes Google-Ranking erzielen."

EINER, DER DEN SPAGAT Online/ Offline schon jetzt sehr gut bewältigt, ist Simon Schnellmann von Travel Worldwide in Zürich. Soeben hat er mit dem Portal travelluxury.ch eine weitere Online-Plattform lanciert. Obwohl alle Angebote online einsehbar sind - sehr übersichtlich und simpel strukturiert sowie schnell navigierbar - gibt es keine direkte Buchbarkeit auf der Website: Wer sich für ein Angebot entscheidet, kann entweder per Formular eine Gratis-Offerte einholen oder eine persönliche Beratung anfordern, wobei die angegebene Kontaktperson per Mail oder telefonisch angegangen wird. "Wir legen sehr viel Wert auf eine kompetente Beratung und schnelle Responsezeiten", erklärt Schnellmann. Im Angebot sind ausschliesslich Fernreisenziele.