18.08.2004 16:35

RAVIS:"Swiss-Turnaround ohne Handel nicht möglich"


"Travel Inside" vom 18.08.2004

STAR und RAVIS wollen die Swiss-Kommissionslösung nicht einfach hinnehmen.

STAR-Präsident Luc Vuilleumier ist nach wie vor der Ansicht, der Null-Prozent-Zug der Swiss sei noch aufzuhalten: "Es kann doch nicht sein, dass Swiss ihre Verkäufer nicht mehr entschädigt."

Was er bereits im Juni angedroht hatte, ist in den vergangenen Tagen in die Praxis umgesetzt worden: STAR hat eine breit angelegte Umfrage bei allen Schweizer Reisebüros gestartet, um mit teilweise prononcierten Fragen die Gefühlslage der Agenten auszuloten. Unter anderem soll deren Bereitschaft zu Kampfmassnahmen ermittelt werden. Auch eine Einschätzung der Interessenvertretung der Agenten durch den SRV wird erfragt. Dazu SRV-Geschäftsführer Walter Kunz: "Ich will diese Aktion nicht kommentieren." Einsendetermin war der 15. August; die Antworten werden zurzeit ausgewertet.

Das RAVIS (Rassemblement des agences et voyagistes indépendants de Suisse) empfiehlt seinen rund 80 Mitgliedern, die neuen Verträge mit Swiss zwar zu unterzeichnen, aber einen Vorbehalt anzubringen. Gegenwärtig ist ein Jurist damit befasst, eine Klage bei der Weko vorzubereiten, wonach Swiss ihre beherrschende Marktstellung missbrauche. Eine Zivilklage gegen die neuen Verträge auf Grund der Artikel 398 und 418 OR, die sich auf den Agenturvertrag beziehen, wird geprüft. Weiter plant das RAVIS, Parlamentarier und Öffentlichkeit über das Vorgehen der Swiss zu informieren.

Beat Iseli (Aaretal Reisen Münsingen) und Erwin Hauger (Erwins Reisestube Altdorf) sind zwei der sechs Deutschschweizer RAVIS-Mitglieder. Auf Anfrage betonen beide, sie seien vor allem aus Sympathie und Solidarität dem RAVIS-Aufruf gefolgt. Iseli weiter: "Mich erschreckt die Konzeptlosigkeit der Swiss-Leute. Ich bin mir zwar bewusst, dass 0% kommen wird. Aber Swiss sollte in Zeiten, in denen die Stimmung schlecht für sie ist, besser kommunizieren." Laut Iseli ist der Turnaround ohne Handel nicht möglich. Nüchtern stellt er fest, dass Manager, die Entscheide gefällt hätten, die Swiss oft schon verlassen hätten.

Erwin Hauger steht seit 30 Jahren mit dem National Carrier auf Kriegsfuss: "Ich habe mit den Leuten nur schlechte Erfahrungen gemacht. Sie sitzen noch immer auf dem hohen Ross und haben gar nichts gelernt. Nun wollen sie auch noch Verkäufer und Kunden verarschen."

RAVIS-Gründer Philippe Haussauer (Zénith Voyages Gland) hat einen offenen Brief an Swiss-Schweiz-Chef Willy Schnyder gerichtet, in dem er eine offenbar vorgesehene Malus/Bonus-Regelung im SMA anprangert. Auf Anfrage wollte Marketing-Chef Svend Janssen nicht zum Bestehen einer solchen Regelung Stellung nehmen: "Diese Regelungen sind bilateral und werden von uns in der Öffentlichkeit nicht kommentiert." Diese Geheimniskrämerei stösst in den oberen SRV-Etagen auf wenig Verständnis.

Peter Kuhn