17.06.2005 08:32

Fall Jann immer konfuser


Im Fall Jann/Astag-Garantiefonds meldet sich erstmals auch Peter Jann zu Wort.

Auf Anfrage von TRAVEL INSIDE erklärt Peter Jann, Alleinaktionär des konkursiten Carreiseunternehmens Jann Reisen in Rümlang: «Was die Astag sagt, ist höchst problematisch. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich alles richtig gemacht habe und die Gelder meiner Kunden ordnungsgemäss beim Astag-Garantiefonds versichert waren. Für mich war immer klar, dass beim Konkurs wenigstens meine Kunden nicht zu Schaden kommen.»

Gemäss Jann hat er die Mitgliederbeiträge beim Astag-Garantiefonds bis am Schluss bezahlt. Er ging davon aus, dass er bis zur Deponierung der Bilanz versichert war. «Ich war in ständigem Kontakt mit dem Stiftungsratspräsidenten Hans Dillier», erklärt er.

Diese Tatsachen werden von der Astag nicht bestritten. Hans Dillier dazu: «Bei der Aufnahme in den Astag-Garantiefonds im Herbst 2003 erhielten wir von Jann-Reisen Beiträge für mehr als ein Jahr.» Die Beiträge waren gemäss Dillier für Mai 2005 noch bezahlt. Es bleibt abzuwarten, ob dies von den Juristen als wichtige Komponente zu einem stillschweigenden Vertrag zwischen Jann und dem Astag-Garantiefonds gewertet wird. Dillier sieht das nicht so: «Die Bezahlung der Prämie hat gar nichts mit einem Vertrag zu tun.»

Würde der Astag-Garantiefonds juristisch zur Rechenschaft gezogen, könnte er ungefähr 500000 Franken abfangen: Einerseits aus der Bankgarantie von Jann Reisen, welche gemäss Dillier «einige zehntausend Franken» beträgt, anderseits aus dem Fondsvermögen von ungefähr 450000 Franken. 

2,5 bis 3,5 Millionen Franken wären jedoch nicht abgedeckt. Gemäss Dillier kann nicht auf allgemeines Vermö-gen des Nutzfahrzeugverbandes Astag zurückgegriffen werden. Und die Kundengeldabsicherung der Astag hat keine Rückversicherung, «weil», so Dillier, «wir nur kleine Risiken versichern». Bei Jann Reisen sei das Risiko falsch eingeschätzt worden, weil der Astag-Garantiefonds falsche Angaben bekommen habe. «Jann war für uns ein kleines Risiko», sagt er.

Die Astag schiebt den Schwarzen Peter nun dem Bundesamt für Verkehr (BAV) zu. Dillier: «Voraussetzung für die Aufnahme in den Astag-Garantiefonds ist eine gültige Lizenz des Bundesamtes für Verkehr, welche erst nach einer Bonitätsprüfung ausgestellt wird. Das BAV befand die Jann-Finanzen für problemlos und wurde also – wie wir – von Jann Reisen getäuscht. Wir haben uns auch auf das BAV abgestützt. Wem soll man denn noch trauen, wenn nicht einem Bundesamt?» Seiner Meinung nach müsste nun auch das Bundesamt für Verkehr zur Rechenschaft gezogen werden. 

Die Voraussetzungen zur Erteilung einer Lizenz muss das BAV lediglich alle fünf Jahre überprüfen. Die meisten Kundengeldabsicherungen überprüfen die Bücher ihrer Mitglieder aber in kürzeren Abständen. Bei der Swiss Travel Security zum Beispiel ist dies gemäss STAR-Präsident Luc Vuilleumier jährlich der Fall.

Der Astag-Garantiefonds geht allerdings nach wie vor davon aus, nicht haftbar zu sein und eine andere Lösung zu finden. Ziel ist es, eine gewisse Kulanz bieten zu können. «Der Weg zu einer Lösung im Fall Jann ist da. Die Sache ist aber sehr komplex, da ein ganzes Netzwerk der Branche beteiligt ist», erklärt Dillier. Vor Ende Juni sei deshalb nicht mit einem Resultat zu rechnen.

Allgemein wird erwartet, dass verschiedene Schweizer Carfirmen den geschädigten Jann-Kunden Alternativen zu ihren abgesagten Reisen anbieten werden. 

Chris Probst