12.08.2005 08:37

Einhaltung der «Fare Rule» bei GITs problematisch


Seit der Umstellung auf das Nettopreismodell Anfang Jahr haben die GIT-Tarife einen Boom erlebt – doch nun wird nach Ordnung verlangt.

Der «GIT-Boom» wurde vor allem deshalb ausgelöst, weil diese Tarife bis zu 15% unter dem Published Fare liegen und – quasi als Nettopreis eingesetzt – für gute Verdienstmöglichkeiten bei Reisebüros sorgen. Des Weiteren fallen die so geschnürten Päckli unter das Pauschalreisegesetz, was dem Kunden höhere Sicherheit bietet.

Die Bedingungen für die Belieferung mit GIT-Tarifen variieren von Airline zu Airline. Eigentlich sollten nur Veranstalter mit eigenen Programmen GITs verkaufen und ausstellen dürfen. Gewisse Airlines beliefern auch Broker und teils normale Reisebüros mit GITs.

Hier setzen die Probleme ein: Manche Reisebüros, die Zugriff auf GIT-Tarife haben und quasi als «Mini-TO» agieren, verfügen über keine Kundengeldabsicherung. Ferner werden GIT teils missbräuchlich, also nicht zusammen mit einer Landleistung, verkauft – oder aber mit einer alibihaften Zweitleistung. Nicht zuletzt entsteht eine Konkurrenzsituation unter den Airlines: Beliefert eine Airline ein Reisebüro ohne TO-Programm, wird Letzteres lieber auf diesen GIT-Tarif zurückgreifen als auf den FIT einer Airline, die das Reisebüro nicht mit GIT versorgt. Es gibt auch den Fall, dass die «Rules» wenig konsequent durchgesetzt werden, nach dem Prinzip «lieber mein GIT unsauber verkauft als ein Ticket des Konkurrenten», wie eine nicht genannt sein wollende Airlinerin verrät.

Einige Airlines greifen nun aber durch. Air France etwa verfügt laut Andrea Awerbug (KL/AF Romandie) über ein PC-Programm, das direkt am Flughafen überprüfen kann, ob die Tarife richtig eingegeben wurden. Und laut Daniel Eggenberger (KL/AF Deutschschweiz) werden auch Stichproben-Kontrollen am Check-in durchgeführt. Kann ein Kunde keinen Zweitleistungs-Voucher vorweisen, erhält das Reisebüro oder der Broker eine Nachbelastung per ADM. «Es werden nur TOs/Broker mit eigenen Broschüren, worin auch unsere Airline mit Logo dargestellt ist, mit GITs beliefert; dafür werden nun separate Verträge geschlossen», so Eggenberger und Awerbug übereinstimmend.

Auch die Swiss pflegt eine klare Politik in Sachen GIT. Die Landleistungen müssen bei derselben Firma gebucht werden, wo der Flug ausgestellt wird. Dazu Eddy Gerber (Manager Leisure Sales): «Von uns erhalten nur TOs, die über ein Programm verfügen und dies auch den Richtlinien entsprechend ausschreiben, Zugang zu GIT-Tarifen.» Um zu gewährleisten, dass alles richtig gebucht wird, kontrolliert Swiss etwa mit Testanrufen oder Testkäufen bei Reisebüros oder über eine (ausgelagerte) Ticket-Controlling-Firma und reagiert auch auf Hinweise aus der Branche. «Je nach Häufigkeit der Missbräuche behalten wir uns Massnahmen wie Nachbelastungen oder gar Entzug der GIT-Tarife vor», so Gerber.

Bei Flex Travel flatterte neulich eine solche Nachbelastung von KL/AF ins Haus. Laut Flex-Flugchef Andy Gantenbein wurde die Nachbelastung dem fehlbaren Reisebüro weitergeleitet. Doch Gantenbein ist nicht überrascht, dass es zu Missbräuchen kommen kann: «Normalerweise sollten die Landleistungen im Zusammenhang mit GIT-Tarifen gleich bei Flex/TUI Suisse gebucht werden; dies ist aber je nach Airline unterschiedlich. Bis anhin gibt es viele Airlines, die es erlauben, dass das Reisebürozum TO wird, sprich die Landleistungen separat einkauft und zusammen mit der Flugleistung – ausgestellt durch Broker/TO – dem Kunden verkauft.»

Das heisst, dass GIT-Tarife vom Broker an Reisebüros weitergegeben werden, sofern dies die Airline erlaubt. Agenten mit dieser Erlaubnis haben einen Vertrag mit genauen Regeln unterschrieben, dessen Einhaltung Flex soweit möglich zu kontrollieren versucht.

Malaysia Airlines (MH) geht noch weiter – Broker werden laut Celal Capanoglu gar nicht mit GIT-Tarifen beliefert. Wenn ein Broker, der einem TO angeschlossen ist, für diesen ein Ticket ausstellt, hat dies gemäss der Vereinbarung zwischen TO und Airline zu erfolgen. Auch MH kontrolliert mittels einer Firma in Mumbai die korrekte Ticket-ausstellung, die sich anhand der IATA-Nummer feststellen lässt; teils aber auch mit Stichproben am Flughafen.

Wer letztlich die «unsauber» operierenden Airlines sind, lässt sich kaum eruieren. Einer allerdings lässt mächtig Dampf ab, STAR-Präsident Luc Vuilleumier. «Bei der Zuteilung von GITs müssen für alle gleich lange Spiesse gelten. Entweder es werden nur die TOs beliefert, und die GIT-Ausstellung wird auch kontrolliert. Wenn das nicht geht, müssten die GITs abgeschafft oder allen zugänglich gemacht werden», klagt Vuilleumier. Besonders im Visier hat er zurzeit Continental Airlines, weil diese über Ebookers einen Flug, den STAR-Broker Skyways (wird von CO nicht mit GIT beliefert) zu 1054 Franken anbieten kann, zu 806 Franken anbietet – «weil Ebookers grösseres Volumen bringt, wie mir CO sagte».

Jean-Claude Raemy