22.03.2002 11:13

Der Trick mit Terminal 1


Mit Terminal1 hat STAR Enterprises ein interessantes E-Commerce Modell entwickelt, das auf der Idee "Im Web suchen, im Reisebüro buchen" basiert.

Wann kann ich reisen? Wie will ich reisen? Wie teuer darf die Reise sein?" In dieser Reihenfolge gestalten sich laut Luc Vuilleumier, Präsident der Swiss Travel Association of Retailers (STAR), rund 90 Prozent der Kundengespräche am Reisebüroschalter. Erst danach werde über den Zielort diskutiert. "Aus diesem Grund wurde auch der Ablauf der Abfragen im Terminal1 so gestaltet", erklärt Vuilleumier den Hintergedanken des kürzlich lancierten Portals www.terminal1. ch. In dieser von der STAR Enterprises AG (Beteiligungsfirma der STAR) ins Leben gerufenen Plattform steht Endkunden eine TO-unabhängige Datenbank mit Reiseangebo- ten zur Verfügung - vorwiegend Last-Minute-Angebote der Grossveranstalter Kuoni, Helvetic Tours, Hotelplan, M-Travel, TUI Suisse und Imholz, aber auch kleiner Veranstalter wie Indi Tours, Tropic Tours oder Taurus. Das Spezielle an Terminal1 ist, dass nach erfolgter Suche der Endkunde entweder verbindlich buchen oder auch nur weitere Infos anfordern kann, wobei er in beiden Fällen an das nächstgelegene Reisebüro weitergeleitet wird. Dieses erhält bei einer Buchung die Angabe zum Tour Operator mitsamt dem Tourbo-Buchungscode und vollzieht dann das Fulfilling (d.h. Ticketausstellung, Inkasso etc.) und erhält vom TO, bei welchem ein Angebot gebucht wurde, die übliche Kommission. Bei Anfrage setzt es sich mit dem Kunden in Verbindung. "Der Kunde weiss immer, wer seine Internet-Buchung behandelt", erklärt Vuilleumier den Vorteil.

Pro Tag rund 200 Hits

Sämtliche Kooperationspartner von Terminal1 sind auch Mitglieder der STAR (verfügen also über eine Kundengeldabsicherung) und bezahlen 450 Franken pro Monat für ihre Teilnahme. Da es vorläufig nur sieben Partner sind, ist der über Terminal1 generierte Umsatz in der Regel genügend, um diese Investition wieder herauszuspielen. "Wir haben pro Tag rund 200 Hits", freut sich Vuilleumier, "und konnten - bei Investitionskosten von unter 100'000 Franken - auch schon Umsatz im hohen fünfstelligen Bereich generieren." Allerdings unterscheide sich das Buchungsverhalten je nach Region: Die über Terminal1 eingehenden Buchungen seien vorwiegend aus ländlichen Regionen; aus der Westschweiz und dem Tessin komme fast nichts - vielleicht, weil es die Website nur in Deutsch gibt. Auf die Frage, ob denn da eine Abdeckung durch nur gerade acht, teils nahe beieinander liegenden Reisebüros genüge, antwortet Vuilleumier: "Wir wollen mit dem Umsatz wachsen, nicht schnell und um jeden Preis. Man kann sich ja auch via Hotline mit dem Reisebüro in Verbindung setzen."

Das nächstgelegene Reisebüro wird übrigens durch die Postleitzahl definiert, entsprechend dem Swisscom Telefon-Routing. Damit ist eine mehr oder weniger gleichmässige Verteilung der Terminal1-Kunden auf die Partner-Reisebüros gewährleistet. Vuilleumier ist merklich stolz auf die technischen Vorzüge "einer" Online-Lösung, die nach Rücksprache mit Reisebüros entwickelt und durch eine externe Firma programmiert wurde. Ein Nachteil sei noch die manuelle Erfassung von Daten, doch gebe es ein gutes Erfassungsmodell mit hohem Automatisierungsgrad. Als weitere Marketing-Massnahmen hat Vuilleumier ein Kundenbindungsprogramm sowie ein Modell "Kunden generieren weitere Kunden" im Kopf; Details gibt er allerdings noch nicht preis. Zudem würden in naher Zukunft vier neue Sites mit einfach zu merkenden Namen lanciert; auch hier gibt es noch keine weiteren Details.