03.06.2005 10:29

Astag setzt sich zur Wehr


Die Diskussionen um die Auswirkungen des Konkurses von Jann Reisen laufen weiter heiss. Der Astag-Garantiefonds lehnt eine Verantwortung noch immer ab.

Hans Dillier, Stiftungsratspräsident des Astag-Garantiefonds, ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Die Diskussionen, ob die Kundengeldabsicherung der Astag den geprellten Jann-Kunden Geld zurückzahlen soll (TI berichtete), flauen nicht ab.

Kommt die Astag auf ihren negativen Entscheid zurück? Dillier mag sich nicht festlegen: "Der Entscheid, wonach die Astag nicht verpflichtet ist, für die erlittenen Schäden aufzukommen, wurde nach umfangreichen Abklärungen gefällt." Der SRV versucht jedoch weiterhin, die Astag zum Umdenken zu bewegen.

Obwohl in einer offiziellen Meldung der Astag vom 23. Mai zu lesen war, dass Jann Reisen "dem Garantiefonds seit dem Jahr 2003 provisorisch angeschlossen" war, stellt Dillier jetzt klar: "Wir haben keine provisorischen Mitglieder." Der Ausdruck "provisorisches Mitglied" löste in der Reisebranche Kopfschütteln aus. Dillier präzisiert nun das Aufnahmeverfahren: "Jedes neue Mitglied des Astag-Garantiefonds erhält vorerst einen auf ein Jahr befristeten Vertrag. Bevor ein unbefristeter Vertrag abgeschlossen wird, überprüfen wir die Bücher erneut. Dies ist eine reine Vorsichtsmassnahme." Während dieses ersten Jahres seien die Kundengelder jedoch versichert.

Die Astag wehrt sich nach wie vor heftig gegen die Übernahme von Verantwortung. Dazu Hans Dillier: "Ich verstehe überhaupt nicht, dass wir so angegriffen werden. Peter Jann ist schuld, nicht die Astag. Er hat falsche Bilanzen geliefert, nicht wir. Er hat seine Mitgliedschaft bei uns genau so wie seine Betriebslizenz vom ersten Tag an erschlichen, nicht wir."

Er fügt hinzu: "Ich soll die Suppe auslöffeln. Dabei müssen Peter Jann und sein Treuhänder, der uns jahrelang vorgegaukelt hatte, Jann Reisen sei eine gesunde Firma, in die Pfanne gehauen werden - und nicht wir." Nach wie vor steht die Frage im Raum, ob die Astag nicht stillschweigend einen Vertrag mit Jann eingegangen war, weil man tolerierte, dass das Carunternehmen weiter mit dem Logo des Astag-Garantiefonds warb. Verglichen mit dem Garantiefonds der Schweizer Reisebranche zeigen sich einige Unterschiede. Wird dort ein Teilnehmer aufgenommen, so wird ein Vertrag auf unbestimmte Zeit mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist von beiden Parteien abgeschlossen. "Werden unsere Mindestanforderungen nicht mehr erfüllt oder die Informationspflicht verletzt, so kann der Garantiefonds den Vertrag mit sofortiger Wirkung auflösen", erklärt Geschäftsführer Urs Herzog.

Beim Garantiefonds der Schweizer Reisebranche sind die Vorkehrungen genau definiert. "Im Falle des Ausschlusses eines Wiederverkäufers werden sämtliche Veranstalter informiert, damit der Wiederverkäufer keine weiteren Buchungen mehr tätigen kann. Hält sich ein Veranstalter nicht daran und beliefert den Wiederverkäufer weiterhin, so macht er dies auf eigene Verantwortung."

Muss ein Tour Operator ausgeschlossen werden, informiert der Garantiefonds laut Herzog sämtliche Teilnehmer. Die Information würde aber in einem Fall wie bei Jann noch weiter gehen. Herzog sagt: "Handelt es sich um einen wichtigen Veranstalter mit vielen Direktbuchungen, so müsste die Öffentlichkeit in geeigneter Form informiert werden. Realistischerweise muss jedoch gesagt werden, dass eine solche Information heikel ist, da nie die gesamte Öffentlichkeit erreicht werden kann." Er ist jedoch froh, dass dieser Fall bis heute noch nie eingetreten ist.
Chris Probst

"Label des Astag-Garantiefonds wohl tot"

Auch Luc Vuilleumier, Präsident der Swiss Travel Association of Retailers (STAR), ist entsetzt über das Vorgehen des Astag-Garantiefonds nach dem Konkurs von Jann Reisen. "Die Astag hat Fehler gemacht. Ich sehe keine Chance, wie sie da rauskommen will. Bei den Kunden ist das Label des Astag-Garantiefonds wohl tot." Seiner Meinung nach hätte man den Ausschluss bzw. das Ausscheiden von Jann Reisen unbedingt kommunizieren müssen. "Bei der Swiss Travel Security machen wir dies sofort intern per Mail und nehmen die Firma von der Homepage", sagt Vuilleumier. Er gibt aber auch zu bedenken, dass es sich auf der Konsumentenseite primär um eine Holschuld handelt. "Die Kunden müssen sich selber informieren." Er schränkt aber ein: "Es wird auch Logo-Missbrauch betrieben." Vuilleumier stösst sich beim Astag-Garantiefonds vor allem an der Formulierung, Jann Reisen sei nur ein provisorisches Mitglied gewesen: "Ein bisschen schwanger gibt es nicht." NCB