05.04.2002 14:31

150 Reisebüros sind ohne Versicherung


Travel Inside vom 5. April 2002

Nach dem Stichtag 1. April haben die grossen TOs festgestellt, dass zirka 150 Büros über keine Kundengeldabsicherung verfügen. Nun haben sie Massnahmen ergriffen.

Gianni Moccetti, Marketing-Chef von Kuoni, dem auch die Agentenbetreuung unterstellt ist, spricht Klartext: «Wir wollen und müssen jene Büros schützen, die eine Kundengeldabsicherung haben.»

Gegen 100 Büros, die Kuoni-Produkte verkaufen und bisher keinen Versicherungsnachweis erbringen konnten, erhalten dieser Tage einen eingeschriebenen Brief vom Branchenleader. Darin wird ihnen laut Moccetti eine letzte Frist bis Mitte April gesetzt, diesen Nachweis zu beschaffen. Pendente Gesuche werden davon nicht tangiert, denn «wir wollen schliesslich kulant sein».

Sollte der Nachweis nicht eintreffen, werden die Büros anschliessend nur noch weiter beliefert, wenn sie eine Bankgarantie von 4% des von ihnen erzielten Kuoni-Jahresumsatzes 2001 stellen, wobei das Minimum der Garantie auf 30'000 Franken festgesetzt wurde. «Nach erfolgtem Nachweis wird die geleistete Bankgarantie mit der generellen Garantie von 15'000 Franken verrechnet und der Restbetrag zurückerstattet», lässt sich Moccetti weiter vernehmen.

Ähnlich tönt es bei Hotelplan. Dazu Agentenbetreuer Werner Wäfler: «Wir haben bereits Ende Februar rund 40 Büros darauf hingewiesen, dass wir ab April bei fehlender Kundengeldabsicherung einschneidende Massnahmen treffen würden.»

Laut Wäfler haben in der Folge einige Büros, wie verlangt, ihre Bankgarantie erhöht (bei einem HP-Umsatz von 150'000 Franken zum Beispiel von 15'000 auf 30'000 Franken). In anderen Fällen wurden die Agenten auf acht Prozent Kommission zurückgestuft und nur noch gegen Vorkasse beliefert.

Wäfler wird nun jene rund 100 Büros anschreiben, die bei der englischen Lösung von TPA (siehe S. 10) mitmachen wollten und - mindestens vorläufig - auch ohne Versicherungsschutz dastehen. Ihnen wird Hotelplan eine Frist bis zum 22. April einräumen, einen Versicherungsnachweis zu erbringen, andernfalls sie wie die oben genannten 40 Büros behandelt würden.

Bei TUI Suisse Ltd macht man sich gegenwärtig laut Agentenbetreuerin Marta Di Girolamo ähnliche Gedanken. Bis Redaktionsschluss waren allerdings noch keine endgültigen Beschlüsse gefasst worden. Tendenziell scheint aber TUI Suisse eine ähnliche Haltung wie die beiden anderen grossen TOS einzunehmen.