06.02.2014 09:00

Versichert oder nicht? Die Krux mit dem Delkredere


Travel Inside vom 06.03.2014

Die neue Passivmitglied-Kategorie von TPA ruft gemischte Reaktionen hervor.

Die Ankündigung der Travel Professional Association (TPA), für touristische Leistungsträger die kostenpflichtige Kategorie "Passivmitglieder" einzuführen, polarisiert in der Branche. Zur Erinnerung: Veranstalter, Broker oder andere Leistungsträger erhalten mit einer Passivmitgliedschaft ihre Forderungen bezahlt, die sich aus dem Konkurs eines anderen TPA-Mitglieds ergeben. Bisher war dies nur über Kooperationsverträge geregelt, sorgte gemäss TPA aber immer wieder für Unklarheiten - letztmals im Fall Biber Travel.

DIE REAKTIONEN AUS DER BRANCHE auf die Neuerung sind gemischt. "In der Romandie, wo die Branche generell näher mit TPA zusammenarbeitet, ist die neue Kategorie besser akzeptiert. Das Feedback aus der Deutschschweiz erhalten wir eher auf Umwegen; dabei darf man mich jederzeit direkt kontaktieren ", sagt TPA-Geschäftsführerin Sonja Laborde. In der Romandie hätten bereits diverse Veranstalter die Passivmitgliedschaft unterzeichnet, in der Deutschschweiz sei es bisher unter anderem Hotelplan Suisse.

BEI TUI SUISSE UND KUONI heisst es, dass man das neue Angebot prüfen werde.

Diverse kleinere Veranstalter haben auf Anfrage von TI noch gar nie etwas von der neuen Kategorie gehört. Cruise-Spezialist Delphi Reisen wird das Angebot nicht annehmen: "Ich finde es fragwürdig, dass ich Mitglied werden muss, damit ich mein Geld erhalte, wenn ein bereits versichertes Büro insolvent ist. Wir haben ja bereits eine Absicherung beim Garantiefonds", sagt Inhaber Willy Noser.

In der Tat werden solche Fälle nicht von allen Kundengeldabsicherern gleich behandelt. Unterschieden werden muss zwischen der Versicherung der Kundengelder und dem Risiko einer B2B-Transaktion zwischen Reisebüro und Veranstalter. Ersteres ist im Pauschalreisegesetz geregelt, Letzteres wird als "Delkredere" bezeichnet und unterliegt keiner allgemeingültigen Regelung. Der Garantiefonds etwa übernimmt das Delkredere, wenn beide Parteien - insolventes Reisebüro und Gläubiger-TO - Mitglied im Garantiefonds sind. "Da 80 bis 90% der Schweizer TOs sowieso Mitglied bei uns sind, sehen wir hier keinen weiteren Handlungsbedarf ", sagt Garantiefonds-Geschäftsführer Urs Herzog. Weil aber die wenigsten Veranstalter TPA-Mitglieder sind, wurde dort nun besagte Passivmitgliedschaft eingeführt.

BEI DER SWISS TRAVEL SECURITY (STS) von STAR läuft es nochmals anders. "Die STS bezahlt bei einem Konkurs eines STS-Mitglieds die Forderungen der Veranstalter, falls diese Veranstalter einen Anerkennungsvertrag mit uns haben", erklärt STAR-Präsident Luc Vuilleumier. Solche Verträge bestünden mit allen grossen und zahlreichen kleineren Veranstaltern.