10.06.2010 11:56

Out of Sequence: Präjudiz auch ohne Urteil?


Travel Inside vom 10.06.2010

Im von STAR-Vorstandsmitglied Heinz Husi angestrebten Prozess gegen die Swiss betreffend die "Out of Sequence"-Regelung (Reihenfolge/Verwendung der Flugcoupons) kam es zu keinem Urteil.
Die Swiss erklärte sich bereit, die Forderung und die Gerichtskosten zu übernehmen.

Herr Vuilleumier, sind Sie enttäuscht, dass der Musterprozess geplatzt ist?

Nein, denn wir haben dem aussergerichtlichen Vergleich ja zugestimmt. Dieser kam übrigens erst zustande, nachdem die Swiss mit allen Mitteln immer wieder versucht hatte, den Prozess hinauszuzögern. Aber wir sind der Meinung, dass wir mit diesem Vergleich ein schärferes Instrument in der Hand haben, um ein Präjudiz zu schaffen, auch wenn es kein Urteil im eigentlichen Sinne gibt.

Wie meinen Sie das?

Swiss wollte ein Schweigegeld bezahlen. Wir waren aber nicht bereit, als Gegenzug zu einer Prozessentschädigung ein Stillhalteabkommen zu unterzeichnen. Dadurch haben wir nun die Möglichkeit, diesen Vergleich in jeder Form zu veröffentlichen. Damit geben wir dem Konsumenten die Möglichkeit, gleich zu handeln. D.h., dass der Konsument mit Bezug auf den jetzt geschlossenen Vergleich die Rechnung für ein neues Ticket, das er aufgrund der "Out of Sequence" -Regel kaufen musste, der Swiss schickt und die Rückerstattung einfordert.

Was wäre im Falle eines Urteils geschehen, das diese Regel auch in der Schweiz aufgehoben hätte?

Wir haben es bei Lufthansa gesehen: Die haben, 24 Stunden nachdem die "Out of Sequence" -Regel in Deutschland durch ein Gericht aufgehoben wurde, neue Tarife lanciert. Diese sind zwar viel teurer, lassen aber ein Out of Sequence zu. Wir nehmen an, dass das gleiche Szenario auch bei der Swiss umsetzbereit in der obersten Schublade liegt Wäre es zu einem Prozess und einem Urteil wie in Deutschland gekommen, so hätte die Swiss wohl auch auf dem Schweizer Markt umgehend diese neuen, zusätzlichen Tarife eingeführt. Eigentlich ein cleverer Schachzug. Ich muss sagen, die Juristen von Lufthansa und Swiss sind geniale Typen, aber ihr Handeln ist in keinster Weise konsumentenfreundlich.