23.06.2004 11:38

Ohne Beitragserhöhung ist STAR gefährdet


Travel Inside vom 23.06.2004

An der STAR-Generalversammlung vom kommenden Mittwoch steht die Zukunft der Retailer-Vereinigung auf dem Spiel: Das Eigenkapital ist aufgebraucht.

STAR-Präsident Luc Vuilleumier beschönigt nichts, wenn er davon spricht, in den letzten zwei Jahren rund 100 Mitglieder verloren zu haben. Für diese auch für die Erfolgsrechnung wesentliche Entwicklung nennt er zwei besonders wichtige Gründe.

Die Folgen der Kündigung der STS durch die Basler Versicherung vor 24 Monaten: "Wir mussten innerhalb von sechs Monaten eine eigene Lösung finden und diese erst noch bei den grossen TOs beliebt machen." Dies sei nur zum Teil gelungen, wobei er einen Teil der Schuld auch bei den TOs sieht.

Zudem hätten sich jüngst die Austritte infolge Geschäftsaufgabe gehäuft: "Da zahlen Kleinstbetriebe ihre Rechnung bis zum bitteren Ende und geben dann auf", weiss er zu berichten. Diesen Austritten stehen Neuaufnahmen gegenüber, denn "noch gibt es Idealisten, die ein Reisebüro gründen".

Die finanzielle Lage der Vereinigung ist mittlerweile derart prekär, dass eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge auf 500 Franken jährlich unumgänglich ist, will man das Überleben der Vereinigung nach zwei Verlust-Jahren nicht gefährden, wie die Revisionsstelle in ihrem Bericht festhält. Auf den im Vorfeld der GV wieder einmal geäusserten Vorwurf der mangelnden Transparenz entgegnet Vuilleumier: "Wir haben den vor vier Jahren an der GV in Bern geäusserten Wunsch nach mehr Transparenz umgehend umgesetzt und die Position Verwaltung aufgegliedert in Vorstand und Geschäftsführung sowie Sekretariat und Aussenstellen." Vuilleumier hat bereits Massnahmen zur Kostenreduktion getroffen (Einschränkung Sekretariatsleistung u.a.). Er würde zwar bei einer erneuten Ablehnung einer Beitragserhöhung den Bettel nicht hinschmeissen, dies aber sehr bedauern, denn "durch die Konzentration aller Aktivitäten unter dem Dach des Birmensdorfer Bahnhofs haben wir an Schlagkraft gewonnen".

So nehmen STS, Skyways und die STAR Enterprises Möglichkeiten des Cross-Sellings wahr. Weiterhin erfreulich entwickelt sich die Nutzung der Sammelcodes durch die Mitglieder. Einzig bei Kuoni hat man den Durchbruch noch nicht geschafft. Dazu Vuilleumier: "Wie kann der Branchenleader unser Anliegen auf die lange Bank schieben, wenn an der Neuen Hard gleichzeitig Unterbelieferungen toleriert werden?"

Terminal1 ist mittlerweile selbsttragend geworden, auch wenn Vuilleumier eingesteht, keine Vollkosten-Rechnung zu machen. Derzeit wird an einem Portal-Relaunch gearbeitet, der für bestehende Kunden Incentives im Falle der Gewinnung neuer bringen soll. Die Versicherung STS hat den bisher einzigen Schadenfall zwar mit einer Zahlung in mittlerer fünfstelliger Höhe abgeschlossen, macht aber noch Regress-Forderungen geltend und deckt für ihre TOs nach wie vor Einzelleistungen ab.

Die Geschäftstätigkeit des Brokers Skyways entwickelt sich laut Vuilleumier sehr erfreulich, man habe in den letzten sechs Quartalen jeweils mit einer Ausnahme Zuwächse von 25% und darüber gehabt und setze nun jährlich rund 40 Mio. Franken um. Nachdem Skyways in der Vergangenheit ein Fulfilment-Problem gehabt habe, sei das interne Controlling wesentlich ausgebaut worden. Abschliessend erfüllt Vuilleumier etwas mit ganz besonderer Genugtuung: "Seit dem Amtsantritt von Hans-Jörg Leuzinger hat sich das Verhältnis zu diesem Verband ganz wesentlich entkrampft."

Peter Kuhn

"Reisebüros sind keine Rechtsanwälte"

Obwohl sich LX-Verkaufschef Willy Schnyder kürzlich mit Luc Vuilleumier ausgesprochen hat, was dieser auch anerkennt, gehen die Meinungen der beiden nach wie vor stark auseinander. Vuilleumier ist grundsätzlich der Ansicht, dass nur eine reine Beratungsleistung - wie zum Beispiel jene eines Anwalts - als solche verrechnet werden kann.

Sobald nebst allfälliger Beratung noch ein Produkt verkauft wird, seien die Beratungskosten in den Produkt-Endpreis einzurechnen. "Keinem Hersteller eines Konsumguts würde es in den Sinn kommen, seine Händler für die Deckung der Verkaufskosten beim Käufer anklopfen zu lassen", gibt er zu bedenken.

So betrachtet, könne die Airline auch nicht mit dem reinen Flugpreis werben, und es ändere auch nichts daran, wenn in der entsprechenden Anzeige mit Sternchen noch Kleingedrucktes angeführt werde, meint Vuilleumier. Deshalb warte STAR auf einen besonders krassen Fall eines Airline-Inserates, um eine Verletzung der Bestimmungen über die Preisanschreibepflicht einzuklagen.

Skyways sei nicht zuletzt deshalb mit gewissen LCC im Gespräch über eine Kommission, die höher als 7% sei.