10.08.2001 08:55

Nicht alle STAR Members erhalten TXT-Kickback


STAR Enterprises knüpft die Weitergabe von Teletext-Kickbacks an eigeneBedingungen, die der Vermittlungsagentur Radiotele nicht bekannt waren.

Willi Schlotjunker (Fly Any Way, Zürich und Döttingen) versteht die Welt nicht mehr. Da hat er im vergangenen Jahr - wie seit zehn Jahren - seine Angebote täglich auf Teletext-Seiten beworben. Und Teletext-Akquisiteurin Josette Rüegg von der Vermittlungs-Agentur Radiotele hatte ihn zu Jahresbeginn wissen lassen, er habe als STAR-Mitglied Anrecht auf einen Kick-back, der für 2000 rund 2700 Franken betrage. Nur: Geld hat er bisher keines gesehen.Radiotele hat gemäss Verkaufsleiter Daniel Siegenthaler mit STAR Enterprises nicht nur einen zeitlichen Volumenvertrag über zwei Jahre abgeschlossen (Rabatt rund 30%), sondern zusätzlich einen solchen über ein gebündeltes Volumen der STAR-Mitglieder von über 600000 Franken pro Jahr, das einen Kick-back von fünf Prozent für die STAR-Besteller von Teletext-Werbung vorsieht. Etwas anders sieht es Luc Vuilleumier von STAR: "Um die Abwicklung dieses Vertrags zu optimieren und die Zahlungen der Mitglieder zu gewährleisten, schliessen wir mit jedem an Teletext-Werbung interessierten STAR-Mitglied einen Zusatz-Vertrag ab. Da es Schlotjunker unterlassen hat, einen solchen fristgerecht zu unterschreiben, kommt er auch nicht in den Genuss des Kickbacks." Auf die Frage, wohin denn das Schlotjunker zustehende Geld fliesse, das STAR kassiert hat, meint Vuilleumier: "Selbstverständlich bleibt dieses bei der STAR Enterprises, denn Schlotjunker hat die von uns gestellten Bedingungen nicht erfüllt." Vuilleumier hat nach eigener Meinung ein "gutes Gewissen".Gegenwärtig beträgt die Zahl der Zusatz-Verträge nach Angaben Vuilleumiers rund fünfzig. Die Zahl jener STAR-Mitglieder, die zwar Teletext-Werbung geschaltet, aber den Zusatzvertrag nicht unterschrieben haben, nennt der STAR-Präsident nicht. Schlotjunker weiss von mindestens zwei weiteren "Leidensgenossen". Offen ist auch die Frage, was mit STAR-Mitgliedern geschieht, die neu erst Mitte Jahr bei Teletext einsteigen.

Zusätzlich gibt der STAR-Präsident zu verstehen, die Zahlungsmoral von Fly Any Way habe zu wünschen übrig gelassen, was sowohl von Schlotjunker als auch von Radiotele energisch in Abrede gestellt wird.Dazu Josette Rüegg: "Wir übermitteln STAR jeweils eine Liste der den Mitgliedern aufgrund ihres Einschalt-Volumens zustehenden Kickbacks. Die Auszahlung erfolgt an STAR, die die Kickbacks den einzelnen Mitgliedern weitergibt. Dabei geben wir die Summen jener STAR-Mitglieder nicht frei, die ihre bereits bezogenen Leistungen noch nicht bezahlt haben." TI weiss, dass Fly Any Way auf der massgebenden Liste von Ende Mai 2001 als "auszahlungswürdig" figuriert.Der STAR-Präsident beruft sich für sein Vorgehen auf einen Passus im Vertrag mit Radiotele, wonach der Abschluss von Zusatzverträgen mit den einzelnen STAR-Mitgliedern wenn nicht gebilligt, so doch mindestens geduldet werde. Allerdings will dies Vuilleumier gegenüber TI nicht dokumentieren, da "dieser Vertrag keineswegs öffentlich ist".Verkaufsleiter Daniel Siegenthaler von Radiotele zum Vertragsinhalt: "In unserem Rahmenvertrag mit STAR Enterprises ist von einem Abschluss von Unterverträgen nicht die Rede."Siegenthaler weiter zu TI: "Es ist richtig, dass wir Kick-backs nur auf bezahlte Leistungen gewähren. Auf die Art der Spielregeln, sprich den Abschluss von Unterverträgen unserer Kunden mit ihren Mitgliedern, haben wir keinen Einfluss." Allerdings, so Siegenthaler, habe er bisher von der Existenz solcher Unterverträge nicht gewusst, wolle dies aber nicht weiter kommentieren, da der Vertragspartner in der Gestaltung der Beziehungen zu seinen Mitgliedern schliesslich frei sei.Damit konfrontiert, meint Vuilleumier abschliessend: "Es ist möglich, dass dies so nicht in unserem Rahmenvertrag festgelegt ist, aber wir haben mit Daniel Siegenthaler mindestens über Möglichkeiten gesprochen, wie wir die Zahlungsmoral unserer Mitglieder erhöhen könnten." Und letztlich sei für ihn massgebend, dass Schlotjunker den entsprechenden Untervertrag nicht unterschrieben habe.Schlotjunker wiederum hat nach seinen Aussagen nie einen Untervertrag zur Unterschrift erhalten. Er kann allerdings nicht ausschliessen, dass ein solcher unter den zahlreichen E-Mails, die STAR-Mitglieder jeweils erhalten, zu finden gewesen sei. Da er diese Zusatzverträge für absolut unnötig hält, fühlt er sich durch STAR um sein ihm zustehendes Geld gebracht.

PK