10.12.2004 13:51

Mehr Ankündigungen als Taten


"Travel Inside" vom 12.10.2004

Peter Kuhn über STAR-Aktivitäten

Es ist gut, gibt es Vereinigungen wie STAR, die sich für die Interessen der KMU stark machen. Dass dies nötiger denn je ist, haben nicht erst die letzten Wochen und Monate gezeigt.

STAR hat auch Erfolge vorzuweisen: Wenn Swiss den Agenten keine Gebühren für Papier-Tickets mehr verrechnet, dann darf STAR mindestens einen Teil des Verdienstes aufgrund seiner Interventionen für sich bean- spruchen. Und die Idee, die Entgelte für Flugtickets in eine Airline- und Service-Komponente aufzuteilen, zeugt davon, dass STAR die Kundenbedürfnisse zu berücksichtigen weiss.

Und doch wird der aufmerksame Leser seit Monaten den Eindruck nicht mehr los, es werde mehr angekündigt als umgesetzt. Das ist fatal - und zwar fürs Renommee der Vereinigung nach aussen wie auch für die Glaubwürdigkeit gegenüber den STAR-Mitgliedern.

Dazu zwei Beispiele: Anfang September liess Präsident Luc Vuilleumier die Fachwelt wissen, seine Mitglieder und der Consolidator Skyways würden Swiss ab Oktober boykottieren, falls bis dann Swiss nicht die Taxbox für die Entgelte öffnen würde. Das war, mit Verlaub, heisse Luft, denn geschehen ist danach nichts. Das war auch zu erwarten, denn Swiss hatte sich im Vorfeld deutlich dagegen ausgesprochen.

Vor dem TTW verkündete Luc Vuilleumier, ab Ende Oktober periodisch eine Liste der Airlines zu veröffentlichen, aufgrund derer man die "Agentenfreundlichkeit" ermitteln könne, um sich als Vermittler von Flugscheinen entsprechend verhalten zu können. Auch da folgte bis dato recht wenig. Eine Liste der "guten" Airlines ist die einzig greifbare Leistung. Diese umfasst vornehmlich Gesellschaften, mit denen gar nicht "verhandelt" werden musste, da sie den Systemwechsel eh erst per 1. April vornehmen. Es ist schwer vorstellbar, wie Skyways angesichts des doch eher bescheidenen Umsatzes von den grösseren Air-lines gebührend gewürdigt wird.

Nun folgt - nach dem Entzug des Sammelcodes - auch der Aufruf zum Boykott von Hotelplan. Die Branchennummer zwei markiert Gelassenheit. Sie kann dies umso mehr tun, als selbst STAR-Mitglieder offen sagen, sie liessen sich als gute HP-Agenten keine entsprechenden Vorschriften machen. Und monieren, die Ersatz- lösung Thomas Cook sei wenig dazu angetan, die Probleme Schweizer Reisebüros zu lösen. Wieder einmal zeigt sich, dass STAR ohne STS wohl wesentlich weniger Mitglieder hätte.

Nun führt der Präsident einen weiteren Kampf gegen HP, der sich erdreistet hatte, Einträge von STAR-Büros mit HP-Code unter "Hotelplan" ohne Nennung des Agenturnamens korrigieren und schliesslich entfernen zu lassen. Pikant: Auch andere grosse Veranstalter würden gleich handeln.

Offenbar ist STAR-Präsident Luc Vuilleumier unterwegs vom Don Qui-jote zum Michael Kohlhaas. Wollen dies die Mitglieder wirklich?