02.03.2000 15:09

KLM/Alitalia korrigiert Internet-Tarife nach oben


Travel Inside vom 02. März 2000

Die Proteste von Brokern und STAR haben den Preis für Internet-Tickets wieder auf MSP-Niveau gebracht.

Nachdem vorletzte Woche bekannt wurde, dass KLM/Alitalia (KL/AZ) auf seiner Website Flugtarife bis zu 15% unterhalb des Minimum Selling Price (MSP) im Direktverkauf anbietet (TI 08/00), wurde die Fluggesellschaft mit Protesten überhäuft.

Einerseits wandten sich die Broker, andererseits der Reisebüroverband Swiss Travel Association of Retailers (STAR) an KL/AZ und verlangten eine Erklärung.

Gemäss Robert Prophet (Marketing Manager KL/AZ) war das Ganze nur ein Irrtum: "Fehler in der internen Kommunikation haben dazu geführt, dass jene Firma, die für uns die Tarife im Internet lädt, diese Tarife für alle Destinationen statt nur für Amsterdam, Rom und Mailand auf die Website lud." Für Prophet sei es aber nonsens, dass KL/AZ solche Billigst-Tarife willentlich auf seine Website lud.

Die erste Reaktion auf die Proteste - darunter ein anonymer Boykottaufruf, von dem sich die Verbände und Broker klar distanzieren - führten dazu, dass KL/AZ die Preise auf "MSP minus 5%" anhob. "Einige Agenten machten vom Angebot, unsere MSP-Levels im Internet zu 5% unter dem MSP anzubieten, rege Gebrauch" erklärt Prophet.

Damit waren aber längst nicht alle zufrieden. "Wir antworteten KLM, dass wir auch mit minus 5% nicht einverstanden seien und dass es unsere statutarische Aufgabe sei, die Interessen der Retailer zu wahren" erklärt STAR-Präsident Luc Vuilleumier, der schon überlegte, auf welche Weise man im Härtefall gegen KL/AZ vorgehen könnte. Am 23. Februar passte dann KL/AZ auch die Minus-5%-Preise aus dem Internet an, sodass ab dem 24. Februar nur mehr die üblichen MSP-Preise auf der Website zu finden waren.

"Das Management-Team von KL/AZ entschied, auch diese Internet-Tarife fallenzulassen. Die Gründe dafür sind interne Sache" erklärt Prophet, der sogleich anfügt: "Internet ist ein emotional überbeladenes Thema. Wir verkaufen knapp 1% unserer Tickets im Internet-Direktverkauf - wie andere Airlines auch." Allerdings wird KL/AZ im Internet-Bereich aktiv bleiben, ist die Schweiz doch europäischer Internetverkaufs-Testmarkt."

Im Lichte dieser Internet-Entwicklung und der Airline-Portale, die in den USA wie auch in Europa wohl trotz massiven Protesten der Retailer-Organisationen entstehen werden, wird klar, "dass dies erst der Anfang einer Lawine ist, die auf die Retailer kommt", wie Vuilleumier ausdrückt. Umso mehr ist sei es wichtig, dass die Verbände nach dem Motto "bis hierher und nicht weiter" Pflöcke einschlagen.


Jean-Claude Raemy