21.12.2001 15:29

"Eine halbe Million Deckungskapital genügt"


STAR-Präsident Luc Vuilleumier äussert sich zur Swiss Travel Security (STS).


Herr Vuilleumier, wann wurde der STS-Vertrag mit der Basler Versicherung gekündigt?
Der Vertrag mit STAR wurde im Juni gekündigt; den Reisebüros wurde Ende September gekündigt.

Was waren die Gründe?
Es lag nicht am Geschäft, sondern daran, dass der Arbeitsaufwand für die Basler zu hoch war.

Wie haben Sie reagiert?
Es kam nicht in Frage, dass wir aufgeben und unseren Mitgliedern den Garantiefonds empfehlen. Also suchten wir einen neuen Versicherer und wurden im Sommer bei etwa einem Dutzend Versicherungsgesellschaften vorstellig. Wir fanden aber keinen neuen Partner. Die letzte Option war die Gründung einer eigenen Stiftung. Dies erachteten wir als machbar - mit oder ohne Rückversicherung.

Wie viel Deckung ist denn nötig?
Das ist schwer quantifizierbar. Das Schadenkapital der STS-Stiftung wird zu Beginn rund eine halbe Million Franken betragen.

Genügt dies?
Wir haben die Zahlen analysiert und festgestellt, dass im langjährigen Schnitt 340000 Franken Schaden pro Jahr entstanden - ohne Prüfung oder Kontrolle. Eine Analyse der Schadenfälle ergab, dass wenn man jeweils 30000 Franken abzog - um zu sehen, wie es mit einer Versicherung ausgesehen hätte -, ein Schadens-Durchschnitt von 250000 Franken blieb. Also ist eine halbe Million das Doppelte dessen, was wir an Schadenfällen erwarten. Das ist kein Luxus, aber es ist genügend.

Dann sind Sie doch zu einem Rückversicherer.
Wir gingen zur Eidgenössischen Versicherungs-AG und handelten Prämien aus. Der Deckungsbetrag beträgt eine Million Franken, die Stiftung braucht nur noch 100000 Franken Franchise. Die Prämien sind darum höher, wobei in den vorgeschlagenen Prämien die Rückversicherungskosten eingeschlossen sind. Das neue STS-Paket stellten wir den Mitgliedern im September vor.

Dann erhöhte die Rückversicherung  egen dem 11.9. die Prämien.
Um wie viel die Prämie erhöht wurde, will ich hier nicht sagen. Aber der Deal mit dem Rückversicherer war zunächst weg, was wir auch kommuniziert haben. Wir haben dann Übergangsfristen vereinbart, um bezüglich einer Rückversicherung Klarheit zu schaffen. Wir wurden also nur provisorisch anerkannt. Die Eidgenössische kam uns später soweit entgegen, dass ein neuer Deal zustande kam.

Haben die TO Bedingungen für die Anerkennung der neuen STS gegeben?
Wir mussten nachweisen, dass wir einen Rückversicherer haben, was nun erfolgt ist. Übrigens muss auch STAR den Veranstalter anerkennen, da dieser sonst keinen Delkredere-Schutz geniesst.

Was war die Idee hinter der Abdeckung von Einzelleistungen bei der Kundengeldabsicherung?
Die STS sollte einen Marktvorteil haben. Ferner wird dies seit Jahren von den Konsumenten gefordert, es gab etwas "Druck von der Strasse". Nun wird der Gesamtbetrag vom Kunden versichert. Wir haben übrigens festgestellt, dass nur 7% der Schadensgelder an Endkunden ausbezahlt wurden, dagegen aber 93% ans Delkredere-Risiko gingen.

Was war letztlich das Problem mit den TO?
Die TOs wollten ihre Einzelleistungen im Delkredere-Risiko nicht versichern. Vielleicht haben wir in Sachen Rückversicherung ungeschickt kommuniziert. Kuoni und TUI haben uns aber nie schriftlich über ihre Entscheide bezüglich STS informiert oder diese begründet. Niemand versuchte, konstruktiv eine Lösung anzustreben, ausser Hotelplan, der jetzt auch als erster TO die STS anerkannt hat.

Wie will die STS künftig die Schadenssumme tief halten?
Wir werden die Buchhaltung der aufnahmewilligen Reisebüros genau überprüfen. Es muss aber auch eine Kontrolle des Debitorenmanagements bei den Veranstaltern geben. Dies wird im Anerkennungsvertrag mit den TOs geregelt.

Was heisst dies konkret?
Wir haben festgestellt, dass die Basler enorme Zahlungen an TOs überweisen musste, welche Reisebüros monatelang belieferten, ohne dass diese jemals eine LSV-Zahlung getätigt hatten, worauf anschliessend eine Gesamtsumme von den TOs an die Basler verrechnet wurde. Das darf einfach nicht sein, denn alle brauchen zurzeit Geld.

Was ist die Lösung?
Wir haben die Fristen verkürzt: Innert 40 Tagen muss eine Betreibung eingeleitet werden, und LSV-Zahlungen, die mehr als 10 Tage überfällig sind, müssen uns gemeldet werden. Der TO macht dann die weitere Belieferung auf eigenes Risiko. Die Reisebüros müssen ihrerseits gute Zahlungsmoral beweisen

Wie ist der aktuelle STS-Mitgliederstand?
Wir gingen ursprünglich von 400 Mitgliedern aus, d.h. wir rechneten mit 20% Mitgliederverlust gegenüber der alten STS. Wegen dem Hickhack und der mangelnden Unterstützung durch die TOs blieben wir bei 200 Anmeldungen stehen. Die Police mit der Eidgenössischen ist jetzt auf 200 Anmeldungen abgestuft.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich nehme wieder Kontakt auf mit Kuoni, TUI und RBM. Diese müssen die STS neu beurteilen.

Welche Chancen hat die neue STS, die viel teurer als der Garantiefonds ist?
Bei der verlangten Garantiesumme sind wir 20000 Franken billiger. Wer die doppelte Garantie bringt, also 60000 Franken, hat halbierte Prämien, die in diesem Fall billiger sind als der Garantiefonds. Es geht aber eher in die andere Richtung: Viele Reisebüros haben Mühe, 30000 Franken aufzutreiben. Das heisst auch, dass all diese Büros kaum 50000 Franken bringen können und somit der Garantiefonds für sie keine Alternative ist.