01.05.2000 15:19

Die Konsolidierung fordert ihren Tribut


"Travel Manager" nr.5 vom Mai 2000

Um die Swiss Travel Association of Retailers (STAR), die Vereinigung unabhängiger Reisebüros, ist es ruhig geworden – verdächtig ruhig? "Wir müssen nicht mehr überall unsern Senf beisteuern", hält STAR-Präsident Luc Vuilleumier im Gespräch mit travel manager fest.

Von Beat Eichenberger

Von der im letzten Jahr angekündigten verbesserten Kommunikation der STAR nach innen und nach aussen hat man in der Branchenöffentlichkeit nicht viel bemerkt: In den Fachzeitungen wurde nach der Generalversammlung in Neuchâtel gerade noch das (inzwischen bereits wieder aufgelöste) Engagement von Emrah Altinay als Teilzeit-Geschäftsführer oder die vollständige Übernahme des Brokers Skyways aufgegriffen.

"In den Medien wird man vor allem dann wahrgenommen, wenn man sich möglichst kritisch äussert. Die STAR möchte aber vom Image eines ständigen 'Motzers' etwas abrücken", hält Präsident Luc Vuilleumier zu dieser Beobachtung fest. Zudem habe man sich ganz gezielt auf die interne Kommunikation konzentriert, die heute über E-Mail (oder im fehlenden Falle automatisch über Fax) einwandfrei funktioniere – Probleme mit dem Provider, so wie kürzlich erlebt, natürlich ausgenommen. Er räumt aber ein, dass man sich mit Stellungnahmen zu aktuellen Branchenereignissen wohl etwas zu stark zurückgehalten habe.

Dass dies in einem gewissen Widerspruch zu der gerne verfochtenen Rolle der Association als Verband steht, streitet Vuilleumier nicht ab: "Dies wird sich aber wieder ändern". Denn der STAR-Präsident ist unverändert davon überzeugt, dass es in der Reisebranche zwei Verbandsstimmen braucht: "Die Themen, welche die kleinen, unabhängigen Retailer beschäftigen, sind oft gänzlich anders gelagert als die Themen des SRV (Schweiz. Reisebüro-Verband), der mehrheitlich von sechs Gross-Firmen und ihren Filialen kontrolliert wird".

Um die Anerkennung als Verband kämpft die STAR-Association übrigens jetzt bei der UFTAA (Universal Federation fo Travel Agent's Associations), während die IATA (International Air Transport Association) der STAR immerhin die Bewilligung für die Ausstellung der beliebten IATA-Cards erteilte.

Wechsel im Vorstand

Doch wie positioniert sich die STAR heute in der Branche? Vuilleumier spricht unverändert von rund 550 Mitgliedern, wobei man quantitativ nicht mehr gross wachsen möchte: "Wir erhalten Woche für Woche zwei bis drei neue Anträge. Rund die Hälfte müssen wir aber im Schnitt ablehnen, weil sie unsere Kriterien nicht erfüllen", sagt Vuilleumier. Bei der STAR klopfen aber immer wieder auch Reisebüros an, die beim Garantiefonds Mitglied sind. "Diese Büros müssen selbstverständlich nicht zu unserer Versicherung wechseln und werden automatisch als Vollmitglieder aufgenommen", sagt der STAR-Präsident.

Die da und dort bemängelten langen Berarbeitungsdauer der Anträge wollte man im letzten Sommer mit dem Engagement von Emrah Altinay (ex-Taurus Tours) als 50%-STAR-Geschäftsführer entgegenwirken. Inzwischen hat Altinay die Vereinigung aber bereits wieder verlassen. "Es hat sich gezeigt, dass wir eher jemanden für die Sekretariatsarbeiten brauchen und nicht einen eigentlichen Geschäftsführer", sagt Vuilleumier. "Die Manpower-Probleme auf der Geschäftsstelle kreisen um Telefonate, Anfragen, Mutationen und ähnliches. Für solche Arbeiten steht uns nun seit anfangs März Isabelle Priztlaff zur Verfügung".

Die STAR schlägt sich aber noch mit einem anderen personellen Problem herum: Der frühere Romandie-Vertreter François Egger ist nach dem Aus mit seiner Genfer Firma Navijet aus dem Vorstand ausgetreten – nun fehlt der Vereinigung für ihre rund 150 Büros in der Westschweiz eine Anlaufstelle. Dasselbe System eines regionalen Ansprechspartner kennt die STAR übrigens auch im Tessin mit Edy Hofmann von Coco Travel Lugano.

Nebst dem bereits ausgetretenen François Egger wird es im Vorstand noch zu einem weiteren Wechsel kommen: Die bisherige Vize-Präsidentin Ruth Wijesooriya, Leiterin von Zurikan Travel in Zürich, wird aus familiären Gründen das Gremium verlassen. An der diesjährigen Generalversammlung von Ende Juni in Bern will Vuilleumier deshalb mindestens zwei neue Vorstands-Mitglieder zur Wahl vorschlagen. Nebst Luc Vuilleumier (Präsident) und Ruth Wijesooriya (Vize-Präsidentin) setzt sich der Vorstand zur Zeit noch aus Andreas Därendinger (EDV) sowie den zwei externen Frank Furrer (Jurist) und Christian Bretscher (Öffentlichkeitsarbeit) zusammen.

Kein Thema an der GV soll übrigens der Mitgliederbeitrag sein: "Ich möchte gerne an einem Franken pro Tag festhalten, obwohl wir natürlich mehr Geld benötigen könnten", sagt Vuilleumier. Er ist zwar überzeugt, dass die Mitglieder einer begründeten, moderaten Erhöhung zustimmen würden, doch damit drehe man sich in einem Kreis: "Man gibt immer so viel Geld aus, wie man hat".

"Best Deals" und neue Kollektiv-Haftpflicht

Als Gegenwert für den im Vergleich zu andern Branchenorganisationen tatsächlich bescheidenen Jahresbeitrag von 365 Franken bietet die STAR heute seinen Mitgliedern eine nicht zu unterschätzende Palette von Leistungen an. "Die nicht abreissenden Anträge von etablierten Reisebüros zeigt, dass man in der Branche heute verstanden hat, dass die STAR längst nicht nur aus der Versicherungslösung Swiss Travel Security besteht", kommentiert Vuilleumier.

Besonders gefragt ist offenbar der im letzten Jahr zu 100% von der STAR Enterprises (über diese STAR-eigene AG laufen sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten der Vereinigung) übernommene Broker Skyways. "Skyways gibt die volle Kommission von 14% bis 17% weiter und verlangt einzig einen Unkostenbeitrag von 14 Franken pro Ticket. Dieser Deal bringt den STAR-Mitgliedern pro Jahr mehrere tausend Franken", sagt Vuilleumier, der Skyways heute zu den grössten freien Brokern der Schweiz zählt.

Skyways gehört zusammen mit weiteren Leistungsträgern zu den sogenannten "Gönnern", mit denen die STAR Enterprises ein "Best Deal"-Abkommen hat. Dies entspricht einerseits einem Buchungspool, wobei sich die STAR weitghend vom Gedanken der Einbindung grosser Veranstalter verabschiedet haben. Dazu kommen weitere Firmen mit Sonder-Konditionen (siehe Kasten).

Neu konnte die STAR mit der Basler Versicherung, welche auch die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherstellung der Kundengelder der STAR-Mitglieder abwickelt (Swiss Travel Security), eine Kollektiv-Betriebshaftpflichtversicherung abschliessen. "Dadurch lassen sich nochmals einige hundert Franken pro Jahr einsparen", so Vuilleumier. Und ein weiteres neues Abkommen hat die STAR mit Teletext.

Internet-Auftritt für Mitglied-Reisebüros

Keine einfache Zeit hat auf der andern Seite die STAR-eigene EDP Consulting (Electronic Data Processing) hinter sich. Diese GmbH unter der Leitung von Andreas Därendinger wurde im Hinblick auf die technologischen Bedürfnisse der Mitglieder gegründet, insbesondere für die Implementierung des Backoffice-Software-Programms Jack. "Ein wegweisender Entscheid", wie Vuilleumier heute urteilt.

Er macht aber kein Geheimnis daraus, dass die EDP Consulting in der Vergangenheit gewisse Probleme hatte. Diese habe man inzwischen aber weitgehend aus dem Wege geräumt. Neu laufen die Jack-Verträge nicht mehr über die Schweizer Firma Artos, sondern direkt über das deutsche Mutterhaus Bevotec. "Die Anpassungen von Jack an unsere Bedürfnisse waren nicht immer optimal. Nun haben wir aber mit einem neuen update und hervorragenden Konditionen der Bevotec wieder den Rank gefunden", sagt Vuilleumier.

Bei der EDP Consulting geht es aber nicht nur um den Vertrieb eines Backoffice-Tools. "Die EDP ist die einzige Firma in der Schweiz die es geschafft hat, einen Tourbo-Link auf Sabre zu entwicklen", unterstreicht Luc Vuilleumier. Und schliesslich ist man mit der EDV-Zelle der STAR auch im Bereich Internet aktiv. Die Homepage der Vereinigung (http://www.star.ch) kann mit rund 50'000 monatlichen Hits (Januar 2000) einen respektablen Erfolg vorweisen.

"Wir haben nun die Absicht, für jedes STAR-Reisebüros einen persönlichen Auftritt im Internet zu ermöglichen", geht Vuilleumier auf neue Web-Pläne ein. Geplant ist ein Link von der STAR-Homepage auf individuelle statische Info-Seiten jedes einzelnen Büros. Von diesen Seiten wiederum soll ein Link auf zentral eingerichtete, dynamische Seiten mit Last Minute-Angeboten, Wettbewerb etc. führen. Das Projekt soll für die einzelnen Büros sehr kostengünstig ausfallen und auch eine kommerzielle Funktion (Vermittlung  Kunde/Reisebüro bei konkreter Produkteanfrage) beinhalten.

Ansonsten ist Luc Vuilleumier davon überzeugt, dass das Internet das Reisebüro nicht arg bedrängen wird: "Der Zeitaufwand für die Angebots-Vergleiche ist viel zu gross und die Buchungsschritte sind viel zu kompliziert, als dass sich dieser Vertrieb auf breiter Ebene durchsetzen wird. Das Internet ist ein gutes Info-Tool, aber nur das Reisebüro hat die Übersicht und kann optimal beraten – das werden auch die zur Zeit Internet-euphorischen Veranstalter und Leistungsträger früher oder später erkennen".

Kooperations-Idee noch nicht vom Tisch

Die STAR Enterprises AG, die zu 100% im Besitze der STAR Association ist und über die sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten der Vereinigung laufen, kam vor einiger Zeit als mögliche "Franchisegeberin" für das dreistufige STAR-Kooperationsmodell in die Schlagzeilen. Eine Umsetzung dieses Projekts wurde aber nie ernsthaft eingeleitet.

"Der Gedanke, dass man sich innerhalb der STAR enger zusammenschliesst, ist noch nicht vom Tisch. Das angesprochene Projekt hat inzwischen aber nicht mehr oberste Priorität – wir arbeiten heute an einem neuen Modell, das sich in seiner Art von andern Zusammenschlüssen unterschieden und nach ganz klaren Kriterien ausgerichtet sein wird", informiert STAR-Präsident Luc Vuilleumier. Für weitere Details sei es aber noch zu früh.

Ob es damit der STAR doch noch gelingen wird, in einer Branchenlandschaft, die sich Kooperationen gegenüber mit wenigen Ausnahmen kaum erwärmen kann, einen Achtungserfolg zu verbuchen, bleibt offen.