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Schweizer Touristik vom 21.05.2010

Staatlich Entschädigung?

Nach Kritik und Anregung gehen die Arbeiten beim SRV in Bezug auf die Vulkankrise weiter. Geschäftsführer Walter Kunz verfolgt konkret die Möglichkeit, Entschädigungen beim Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) zu erhalten.

Es war und ist eine turbulente Zeit für die Mitarbeiter des Schweizerischen Reisebüroverbandes SRV, wie Geschäftsführer Walter Kunz gegenüber der ST bestätigt. Und der isländische Vulkan möchte der Reisebranche offensichtlich noch keine Ruhe gönnen. Lehren ziehen aus den gemachten Fehlern ist daher eine wichtige Aufgabe, der sich der SRV annehmen möchte. "Wir werden das Vorgehen der Branchenteilnehmer sicherlich nochmals thematisieren", verspricht Walter Kunz. Dabei gehe es viel weniger darum, jemanden den "Schwarzen Peter" zuzuschieben. Vielmehr möchte man für die Zukunft mögliche Szenarien definieren, um ein einheitlicheres Vorgehen gewährleisten zu können - ein Anliegen der meisten Branchenteilnehmer.

 

Entschädigung für die Reisebüros?

Für den Geschäftsführer des SRVs geht die Arbeit weiter. Konkret kümmert er sich darum, ob und wie die Verbandsmitglieder Chancen auf eine "staatliche Entschädigung" hätten. Deutschland hat es vorgemacht: Sowohl Fluggesellschaften als auch Reiseveranstalter haben bereits Eingaben für unterstützende Mittel eingereicht. Laut Ermittlungen des DRVs (Deutscher Reiseverband) habe die Reisebranche einen Schaden in Höhe von rund 100 Millionen Euro erlitten. Dabei seien besonders die Personalkosten für Mehrarbeit ins Gewicht gefallen, heisst es. Ob und inwieweit die einzelnen EU-Staaten ihre Leistungsträger wie Airlines oder Reiseveranstalter unterstützen werden, ist noch offen. Für die Schweizer Branchenteilnehmer ist das Resultat dieser EU-Anträge aber äusserst wichtig. Denn, wie Kunz weiss, habe man nur eine Chance beim EFD, wenn auch die EU-Staaten Unterstützung anbieten würden. Der SRV sieht seine Hauptaufgabe darin, seine Mitglieder in dieser Sache angemessen zu vertreten. "Wir haben bislang noch nie solche Forderungen gestellt", erklärt er, und verspricht gleichzeitig, sich in dieser Sache für seine Mitglieder stark zu machen.

 

Swiss auch in Verhandlungen

Es sind nicht nur die   Reisebüros, die sich für eine Form der Entschädigung einsetzen. Auch die Swiss ist mit dem EFD im Gespräch. Auf Anfrage der ST bestätigte Mediensprecherin Andrea Kreuzer, dass man in Verhandlungen sei. "Wir verlangen keine staatliche Hilfe", konkretisiert sie das Vorgehen. Es gehe lediglich darum zu prüfen, ob eine gewisse Entschädigung möglich wäre. Bei Swiss stellt man sich eine Art von "Schlechtwetter-Ausgleich" in Form von Kurzarbeit vor, wie es ihn auch schon für andere Branchen gäbe, meint Kreuzer. "Klar ist, dass wir das Risiko nicht alleine tragen können", so die Mediensprecherin.

 

Positives Image für Reisebüros

Dass die Ereignisse rund um den Vulkanausbruch auf Island für die Branche durchaus auch positive Seiten hatte, zeigt die aktuelle Umfrage, die ST TV im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen durchgeführt hat (www.schweizertouristik.ch). Die Kunden sind sich - noch - durchaus bewusst, welchen Mehrwert man beim Buchen im Reisebüro erhält. "Aber", relativiert Kunz, "unsere Branche macht sich immer nur in Krisen einen guten Namen." Aus diesem Grund plädiert der Geschäftsführer des SRV für mehr Eigenwerbung in dieser Sache. "Wir haben mit unserer Kommunikation sicherlich den einen oder anderen Ansatz geliefert, wie jeder für sich seine eigene Strategie entwickeln könnte", glaubt er. Für Luc Vuilleumier, Leiter der Retail-Vereinigung STAR, wäre es hingegen der falsche Ansatz, sich nur jetzt und nur über die aktuelle Krise zu profilieren. "Die Vulkankrise als Image-Gewinn zu nutzen, kommt einer Selbstbeweihräucherung gleich", findet er. Aus diesem Grund plädiert er dafür, die Geschehnisse mit anderen PR-Mitteln und -Massnahmen zu kombinieren. Weil die Sache in seinen Augen eine Pseudo-Image-Werbung ist, wundert sich der STAR-Vertreter über die grosszügigen Zusagen der Schweizerischen Reiseveranstalter. "Es erstaunt mich, dass die grossen TOs vorgeprescht sind", meint er, "denn der Konsument vergisst solche Ereignisse leider immer gleich wieder."

Dass der Konsument nicht vergisst, dafür ist jeder Branchenteilnehmer selber verantwortlich, darin sind sich sowohl Kunz als auch Vuilleumier einig. "Man muss gewisse Risiken selber tragen können", ist Kunz überzeugt. Ein Prozess, den die Bevölkerung aber erst wieder lernen müsse.

 

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